GEin

Gedanken

Einmal Bobtail, immer Bobtail ...

Amrum 2005

Wer einmal mit einem Bobtail zusammen gelebt hat, der weiß sicher, wovon ich spreche.

Es ist dieses bezaubernde Wesen, die liebenswerte Verspieltheit bis ins hohe Alter, seine Würde, seine eigene Persönlichkeit, die Anhänglichkeit und dieser unsagbar traurige Augenaufschlag - all das und noch viel mehr macht diese Rasse aus und ist ein Grund dafür, dass man nicht mehr von dieser Rasse los kommt. Wem ein Bobtail einmal sein Herz geschenkt hat, dem hält er eine unerschütterliche und unabdingbare Treue.

Das Bild vom trotteligen, trägen Bobtail, das allgemein vorherrscht, kann ich wirklich nicht be-stätigen. Wie die offizielle Bezeichnung der Rasse Old English Sheepdog schon sagt, ist der Bobtail ein Hütehund! Er will arbeiten und entwickelt unglaubliche Bewegungskünste und man staunt nur so, welche Kraft und Ausdauer ein Bobtail dabei an den Tag legen kann.

Der Bobtail ist nicht nur ein robuster Hund - vielmehr ist er intelligent, lernwillig und pflicht-bewusst, wenn es darum geht, Heim und Herrchen zu beobachten und zu beschützen. Es ist wirklich rührend zu beobachten, wie ein Bobtail versucht, seine Herde zusammen zu halten. So gerät er in einen tiefen inneren Konflikt, wenn Herrchen nach links geht und Frauchen nach rechts. Er wird immer bemüht sein, dass alle Rudelmitglieder zusammen bleiben und er mit-tendrin und dabei ist - und dann ist die Welt für ihn in bester Ordnung.

Bei aller Gutmütigkeit und Sanftmütigkeit, die der Bobtail besitzt, darf man jedoch nicht ver-gessen, dass ein Bobtail ein HUND ist, der genauso, wie andere Hunde auch, erzogen werden will bzw. muss. Er erzieht sich nicht von selbst und ist kein Schaf. Vielmehr hat auch er den ganz normalen hündischen Drang, seinen Willen durchzusetzen und im Rang nach oben zu klettern. Ich gebe aber zu - es ist manchmal wirklich schwer, ihrem Charme zu widerstehen und konsequent zu bleiben.

Nicht nur Eitelsonnenschein.....

Man muss schon Idealist sein, wenn man einen so behaarten Kumpel zu sich holt. Denn es gibt nicht nur positive Seiten im Zusammenleben mit einem Bobtail: Vergessen Sie eine jederzeit saubere Wohnung, wenn sie einen Bobtail haben! Bei zwei oder mehreren Fellmonstern ver-vielfacht sich das Ganze logischerweise. Der Bobtail ist definitiv kein Hofhund oder Zwingerhund. Überhaupt bin ich gegen jegliche Zwingerhaltung - bei allen Hunden! Es würde nicht lange dauern und er würde erbärmlich verkümmern und krank werden, wenn er nicht den direkten Kontakt zu seiner Familie hätte - da bin ich mir sicher! Wer sich also entscheidet, einen Bobtail zu sich zu holen, der sollte unbedingt Abstriche machen, was Sauberkeit und Ordnung im Haus anbelangt - auch wenn man jeden Tag saugt und wischt, es wird nicht ausbleiben, dass man riecht und sieht, dass ein sehr behaarter Hund im Haus lebt.

 

Schmutzig,
aber glücklich!
Bayuma und Tiffy
Perle und Bayuma

Wer damit leben kann und sich darüber im klaren ist, dass ein Bobtail über das normale Maß an Zuwendung hinaus, die jeder Hund nun einmal braucht, zusätzlich auch noch 1 Stunde pro Tag für die allgemeine Pflege und einmal pro Woche ca. 4 Stunden Zeit für die Fellpflege benötigt, für den kann diese Rasse ein Thema sein.

Es ist nicht immer nur Sonnenschein und trockenes Wetter... Regen und Kälte können uns nicht davon abhalten, hinaus zu gehen - ohne dabei an schmutzige Füße und ein nasses riechendes Fell zu denken. Wir haben uns darauf eingestellt und beim Bau unseres Hauses gleich eine Hundedusche eingebaut, die als Dreckschleuse dient. Hundi weiß ja nicht, dass schlechtes Wetter ist und für mich hat jedes Wetter etwas Schönes. Man muss sich nur drauf einstellen und sich entsprechend kleiden.

Wir sind übrigens Großverbraucher von Wischmitteln, Staubsaugertüten, Küchenrollen, Feucht-tüchern und in jeder meiner Jacken sind 3-5 Exemplare meiner speziellen schwarz-güldenen Kacktüten zu finden. Tja, vornehm geht die Welt zu Ende... :-).

Sauberer Hund, guter Hund?

So sauber möchte man sie immer haben...

Perle

Dreckiger Hund, böser Hund?

Aber sie sollen doch auch glücklich sein, oder?

Mona und Perle

Haare, Haare, Haare

Die Pflege dieses reich behaarten Hundes darf nicht unterschätzt werden. Ich habe schon oft erlebt und gesehen, dass Leuten, die ihren Bobtail nicht konsequent pflegen, am Ende nur noch die Schere half, um der Filzmassen Herr zu werden. Dabei ist es gar nicht so schlimm mit der Fellpflege, wenn man am Ball bleibt und die Pflegezeiten in seinen Tages-/Wochenablauf mit einplant.

Während ich in früheren Jahren während meiner Spaziergänge von Passanten öfter gehört hatte: "Da sieht man ja gar nicht wo hinten und vorne ist" *g*, werde ich heute eher so angesprochen: "Na da haben sie doch sicher viel zu tun mit Ihren Beiden. Die müssen doch bestimmt jeden Tag gebürstet werden". Mal ganz davon abgesehen, dass man eben nicht jeden Tag bürsten muss - JA, ich habe viel zu tun mit meinen Beiden, aber es ist für mich eine Passion. Wenn man es geschafft hat, dem Hund beizubringen, dass die Bürsterei ganz entspannend sein kann, ist es eine unheimlich intensive und innige Zeit, die man miteinander verbringt..

Michaela und schnarchender Gordon

Sicherlich ist der Bobtail ein attraktiver Hund, der viele Blicke auf sich zieht und es gibt für mich keinen schöneren Anblick als einen gepflegten Bobtail mit einem langen Haarkleid. Und ich ver-stehe auch, dass viele Leute gerne einen Bobtail zu sich holen wollen, weil sie einfach klasse aussehen und man damit auffällt.

Ich finde es aber sehr schade, wenn man ihm später - wenn der Hund nicht mehr "neu" ist - aufgrund mangelnder Bereitschaft zur konsequenten Pflege das Haarkleid nimmt und damit nicht nur die Würde. Es ist ein Irrglaube, dass sich geschorene Bobtails, die noch jung und gesund sind, wohler fühlen mit kurzem Fell. Vielmehr hat sein langes und ursprüngliches Haarkleid die Aufgabe, sowohl vor Kälte als auch vor Hitze zu schützen!

Es gibt aber auch Ausnahmen - ganz klar! So stellt die Fellpflege für sehr alte Hunde doch eine ziemliche hohe Belastung dar, wenn Hund mehrere Stunden auf dem Kämmtisch liegen muss. In diesem Fall und bei gesundheitlichen Problemen ist es sicherlich angebracht, das Fell zu kürzen. Ich selber hatte in den letzten zwei Lebensjahren Assinas Haar kurz gehalten.

Da gibt es aber noch ein anderes Extrem, was auch nicht zu befürworten ist: Nämlich die über-trieben peinliche Sauberhaltung mit viel zu häufigem Baden und Angst vor jedem Schmutz-partikelchen!

Der Pflegeaufwand ist um ein Vielfaches höher, wenn man einen Show-Hund besitzt bzw. einen Hund so pflegen möchte, dass er showtauglich ist und bleibt. Gerade hier im Harz gibt es viel Wald und damit viele kleine Stöckchen, die sich im Fell verhaken - oder auch Kletten auf den unzähligen Wiesen rund um Gernrode. Zugegebenermaßen- da kommt man so manches Mal ins Stöhnen. Im nächsten Moment ist dies aber vergessen - bis zur nächsten Klettenattacke....

Kisses - Februar 2005 in Buchholz

 

Fazit...

Alles in allem möchte ich mit meinen Gedanken wirklich nur dazu anregen, genauestens zu über-legen, ob der Bobtail die richtige Rasse ist, wenn man sich entschieden hat, einen Hund zu sich zu holen.

Wenn man auch all die nachteiligen bzw. aufwendigen Seiten im Zusammenleben mit dieser Rasse akzeptiert und sich darauf einrichtet, dann steht einem glücklichen Zusammenleben mit diesen bezaubernden Fellnasen nichts mehr im Wege.

Für MICH gibt es jedenfalls keinen besseren und schöneren Hund, als den Bobtail - mit all seinen Vor- und Nachteilen!